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Kulturhauptstadt Europas 2025: Nürnberg veröffentlicht das zweite Bewerbungsbuch

Mehr als 130 Europäische PartnerInnen und 42 Gebietskörperschaften aus der Metropolregion Nürnberg sind an Bord: Die Stadt Nürnberg hat das zweite Bewerbungsbuch um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 bei der Kulturstiftung der Länder eingereicht und veröffentlicht.

Die Stadt Nürnberg hat am Montag, 21. September 2020, das zweite Bewerbungsbuch um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 bei der Kulturstiftung der Länder eingereicht und zeitgleich veröffentlicht. Auf 100 Seiten beschreibt das Buch das geplante kulturelle und künstlerische Programm, die europäische Dimension, die Strategie und die Idee, die hinter dem Slogan PAST FORWARD und den drei Themen „Humanity“, „Activity“ und „Community“ steht. Die Einreichung des in englischer Sprache verfassten Buchs ist neben dem digitalen Jury-Besuch (23. Oktober) und der Präsentation (27. Oktober) vor der internationalen Jury ein zentraler Meilenstein auf dem Weg zur Kulturhauptstadt. Die endgültige Entscheidung der Jury fällt am 28. Oktober 2020.

Oberbürgermeister Marcus König, Kulturbürgermeisterin Prof. Dr. Julia Lehner und Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner, Leiter des Bewerbungsbüros, stellten das Buch gemeinsam vor.

Kulturhauptstadtbewerbung: PAST FORWARD ist das Leitmotiv
Der Slogan PAST FORWARD ist das Leitmotiv der Nürnberger Bewerbung für den Titel Kulturhauptstadt 2025 und zieht sich konsequent durch das Bewerbungsbuch. Er hat mehrere Dimensionen:

PAST. Wir kehren der Geschichte nicht den Rücken, sondern stellen uns ihr. Wir nehmen die Geschichte der Stadt, der Region und Europas an, hinterfragen und diskutieren sie im Hier und Jetzt und leiten daraus die Zukunft ab.

FORWARD. Das Neue hat es oft schwer, das Alte zu überwinden – Nürnberg will sich heute mehr denn je auf europäische und globale Diskurse sowie herausfordernde politische und künstlerische Positionen einlassen. Die Bewerbung schaut mit neuen Konzepten und mit den Mitteln von Kunst und Kultur nach vorne und zeigt die Wege auf, die es in Nürnberg, der Region und in Europa zu gehen gilt.

Nürnbergs Kulturhauptstadtbewerbungs-Themen – Nürnbergs Kulturhauptstadtbewerbungs Plattformen
Die in der Bewerbung gesetzten Themen sind aktueller denn je und haben gegenüber dem ersten Buch an Schärfe und Perspektive gewonnen:

  • Humanity – Menschlichkeit als Leitziel in einem superdiversen Europa
  • Activity – Arbeit, Lernen und Spielen, um die Welt zu gestalten
  • Community – das Miteinander in einer europäischen Stadt des 21. Jahrhunderts

Unter diesen drei Themen gliedern sich die Plattformen, denen wiederum die einzelnen Projekte zugeordnet sind. Unter Humanity steht beispielsweise Plattform I THE FUTURE OF REMEMBRANCE – Die Zukunft des Erinnerns, bei der es um die grundsätzliche Frage von Erinnerungskultur im 21. Jahrhundert geht: Wie geht man mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände um, wenn es einerseits bald keine Zeitzeugen mehr gibt, andererseits der Nationalismus nicht nur in Deutschland und Europa wieder Fuß gefasst hat? Diese Frage beantworten u. a. die Projekte DOING GROUND (Kuration: Marietta Piekenbrock), REMEMBRANCE AND THE STRATEGIES OF INSTITUTIONAL CRITIQUE (Kuration: Milan Ther), LUIGI NONO: MUSIC AND POLITICS (Kuration: Ensemble Intercontemporian (Paris), Matthias Pintscher) und MEMORY LAB (Kuration: Jörg Skriebeleit).

Auch Plattform III POWER OF THE MASSES gibt Antworten auf diese Frage, nimmt aber zugleich andere Blickwinkel ein, denn die Projekte unter dieser Plattform nehmen die Wirkmechanismen von Macht in den Blick. Welcher Mechanismen bedienten sich die Nationalsozialisten? Was können wir daraus für die Gegenwart und die Zukunft lernen? Diesen Fragen widmen sich zum Beispiel die Projekte: BROKEN AESTHETICS – A retrospective of Leni Riefenstahl’s works (Kuration: Kay Kirchmann, Clemens Risi), THE DICTATORSHIP OF THE ARTS – A performance on totalitarian power (Kuration: Jonathan Meese), A DIFFERENT VIEW – PERSPECTIVES FROM THE GLOBAL SOUTH (Kuration: Shreela Gosh).

Plattform IV unter dem Thema Humanity trägt den Titel DIGNITY AND EQUALITY – Würde und Gleich (-heit, -berechtigung, -stellung, -wertigkeit). Im Rahmen dieser Plattform sollen unter anderem die Projekte EVERYBODY (Kuration: Susanna Curtis), KINDERKULTURHAUPTSTADT, YOUTH UNITED, EUROPRIDE, ART EYE (Kuration: Katharina Fink) und ein Projekt zum Thema NSU durchgeführt werden. Activity vereint die Themen Arbeit, Lernen und Spielen unter sich und stellt die Frage: Wie gestalten wir unsere Welt?

Die Plattform THE PLANET AS PLAYGROUND widmet sich beispielsweise dem Thema Spielen in vielen Facetten unter Kuration von Johanna Pichlbauer, Gabriel Roland und dem Unternehmen Invisible Playground Network. Die LANDSCAPES OF LABOUR-Plattform dreht sich um das Thema Arbeit, zum Beispiel im Licht der Industrialisierung, des Strukturwandels, aber auch der Zwangsarbeit im Dritten Reich. Milo Rau, Phil Collins und Robert Misik werden Projekte kuratieren, die weit über Nürnberg und die Region hinaus aufscheinen werden.

Nürnberg ist eine offene, transkulturelle und europäische Stadt
Das Konzept der offenen Stadt legt zu Grunde, dass eine Stadt stets konstantem Wandel und radikaler Veränderung durch Faktoren wie Gentrifizierung, Migration oder der Heterogenität verschiedener Lebensstile unterworfen ist. Die Idee der offenen Stadt ist, dass sich ihre Menschen mit Toleranz und Respekt begegnen, Konflikte pragmatisch aushandeln, ausdiskutieren und offen sind für Spontanität und stetigen Wandel. Klimawandel, bedrohte Ökosysteme oder Ressourcenknappheit sind als akute Probleme in Europa und der Welt ebenfalls Teil der Bewerbung. Damit dieses Konzept der offenen Stadt gelingen kann, benötigt es starke Gemeinschaften. Die Plattform LOCAL LAB EUROPE unter dem Thema Community widmet sich diesen Fragestellungen auf breiter Ebene. Es konnten unter anderem Anne Applebaum und Peter Pomerantsev (ARENA EUROPE – Stories against hatred) sowie Verena Ringler (BOULE EUROPA – Power to the councils!) als Kuratorinnen und Kuratoren gewonnen werden.

Das Projekt YOUR MONEY OR YOUR LIFE TOUR (Kuration: Tuncay Kulaoglu) nimmt das Wettbüro als eigenen Mikrokosmos in den Blick. SONGLINES (Kuration: Beate Schüler) wird als Musikfestival fortgeführt und durch internationale Kooperation jedes Jahr ein Stück größer und reicher.

Vergangenheit wird mit neuen Technologien erlebt: NÜRNBERG TIME MACHINE
Viele Projekte im künstlerischen Programm beschäftigen sich mit Vergangenheit und Gegenwart von Stadt, Metropolregion und Europa. NÜRNBERG TIME MACHINE hat die Aufgabe, all diese Projekte zu verbinden und zusammenzuführen. Im Einklang mit dem Slogan PAST FORWARD ist die NÜRNBERG TIME MACHINE als Katalysator zur (Neu-)Entdeckung der Geschichte mit Technologien wie künstlicher Intelligenz und Augmented Reality zu verstehen. Dabei wird sowohl lokale, als auch europäische Geschichte systematisch erschlossen und Vergangenheit digital belebt. Es entsteht „Big Data of the Past“, indem weltweit verstreute Objekte der Nürnberger Geschichte digital zurückgeführt werden. Dadurch erhalten alle Menschen Zugang zu dem kulturellen Erbe der Region und können sich als „Public Historians“ an der Entwicklung von Narrativen beteiligen. Die NÜRNBERG TIME MACHINE ermöglicht beispielsweise die 3D-Rekonstruktion historischer Stadtteile, KI-gestützte Ausstellungen, oder interaktive geschichtsbasierte Spiele. Sie wird als Service-Hub, Webpräsenz und Datencloud zu einer digitalen Schatzkiste, aus der sich alle PAST FORWARD-Projekte bedienen und in die sie gleichzeitig ihre Erkenntnisse und Daten einspeisen. Mit der NÜRNBERG TIME MACHINE werden Kulturgüter also nicht nur digitalisiert, sondern sie schaffen neue Kultur. Die führenden Partnerinnen und Partner des Projekts sind die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, die Museen der Stadt Nürnberg, das Germanische Nationalmuseum und das Stadtarchiv Nürnberg. Sie werden eng zusammenarbeiten, mit: Time Machine Europe (14.000 Partnerorganisationen); FIZ Karlsruhe, Universität Greifswald (TRANSRAZ), Europeana und weiteren Partnerinnen und Partnern.

Kulturhauptstadt Europas muss europäischer denn je sein
Eine zu tiefst europäische Bewerbung 2020 ist ein Krisenjahr für die ganze Welt und in besonderer Weise für die Europäische Union. Eine Kulturhauptstadt Europas kann nur erfolgreich sein, wenn sie einerseits dieeuropäische Idee feiert, andererseits aber nicht davor zurückschreckt, die aktuellen Herausforderungen und Probleme Europas offen anzusprechen. Das Konzept der Kulturhauptstadt muss also europäischer denn je sein – auch in einer Welt mit und nach Covid-19. Nürnberg nimmt diese Herausforderungen gemeinsam mit den Menschen und mit den Mitteln von Kunst und Kultur an: Die Europäische Dimension von Nürnberg2025 bildet sich in mehr als 60 Projekten des Programms auf vier Ebenen ab:

Europa: verorten, entdecken, gemeinsam erschaffen und feiern
Durch PAST FORWARD wird sich Nürnberg in Europa neu verorten: „Localising Europe“. Bürgerinnen und Bürger entdecken Europa über das PAST FORWARD Programm neu, sie schließen neue Beziehungen und gestalten Europa gemeinsam: „Exploring Europe“ Nürnberg knüpft viele neue Partnerschaften und setzt das Programm gemeinsam mit einer Vielzahl internationaler Kulturakteurinnen und Kulturakteure um: „Co-Creating Europe“. Das Jahr 2025 wird ein großes Fest, das den europäischen Gedanken mit Menschen aus aller Welt feiert: „Celebrating Europe“.

Griechenland, Ungarn, Estland und Slowenien: geplante Zusammenarbeit mit anderen europäischen Kulturhauptstädten
Neben den mehr als 130 Kooperationen, die mit Künstlerinnen und Künstlern, Kuratorinnen und Kuratoren, Städten und Kultureinrichtungen eingegangen werden, legt das Bewerbungsbuch die geplante Zusammenarbeit mit anderen Kulturhauptstädten detailliert dar, darunter das griechische Eleusis 2021, das ungarische Veszprém-Balaton (2023) und das estnische Tartu (2024). Zentral ist zudem die Kooperation mit der slowenischen Partner-Kulturhauptstadt im Jahr 2025. Die Kulturhauptstadt als einzigartige Chance Für den großen Wandel, den Nürnberg so dringend braucht, ist der Titel ECoC2025 (European Capital of Culture 2025) unverzichtbar – und Städte wie Nürnberg sind für Europa unverzichtbar. Das Nürnberg der Zukunft ist eine Stadt, die – weil sie ihre Geschichte nicht vergessen hat – mit radikal neuen Perspektiven nach vorne blickt. Die Kandidatur als Kulturhauptstadt Europas 2025 ist eine einzigartige Chance, Veränderungen herbeizuführen in einer Stadt, die trotz ihrer Routinen und Gewohnheiten alle Möglichkeiten hat, eine lebendige, europäische Stadt, eine echte europäische Metropole zu werden.

Das operative Budget für die Kulturhauptstadt hat sich gegenüber der ersten Phase nur leicht verändert. Veranschlagt sind als operative Ausgaben insgesamt 83,2 Millionen Euro, wobei rund 89 Prozent auf den öffentlichen Sektor, neun Prozent auf den privaten Sektor und rund zwei Prozent auf eigene Einkünfte entfallen. Hinzu kommen für investive Ausgaben im Rahmen der Bewerbung weitere 20 Millionen Euro.

Das Gesamtbudget Kulturhauptstadt N2025 gestaltet sich wie folgt:

  • Stadt Nürnberg: 30 Millionen Euro
  • Freistaat Bayern: 30 Millionen Euro
  • Bund: 25 Millionen Euro (voraussichtlich)
  • Region: 6,2 Millionen Euro
  • EU-Förderprogramme: 2,5 Millionen Euro
  • Sponsoring: 7,5 Millionen Euro
  • Einnahmen: 2 Millionen Euro

Von den 83,2 Millionen Euro für die operativen Ausgaben sind 50 Millionen Euro für das kulturelle und künstlerische Programm vorgesehen, die restlichen Ausgaben beziehen sich unter anderem auf Organisation, Administration, Personal und Marketing. Ab 2021 wird an der im Bewerbungsbuch vorgezeichneten Fundraising-Strategie ebenso intensiv gearbeitet, wie an der Marketing- und Kommunikationsstrategie sowie an dem neu entstehenden Service-Center, das allen Kulturakteurinnen und Kulturakteuren als Anlaufstelle für Fördermittelakquise dienen wird. Bei Titelzuschlag wird das Bewerbungsbüro in die Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH überführt, bei der die Stadt Nürnberg und der Freistaat Bayern die Anteilseigner sind. Die Arbeit der Nürnberg2025 gGmbH wird von einer künstlerischen Leitung und einer Verwaltungsleitung verantwortet.

König und Maly im Aufsichtsrat
Eingerichtet werden zudem ein Aufsichtsrat (Vorsitz: Marcus König) und ein Beirat (Vorsitz: Dr. Ulrich Maly). Vier neue Kreativorte entstehen parallel zur Vorbereitung auf das Kulturhauptstadtjahr: die Kongresshalle, das Haus des Spielens, das Museum Industriekultur und „The Garage Project“ in der Alten Feuerwache 1. Diese Strukturprojekte sind trotz der zu erwartenden Synergieeffekte kein Bestandteil des operativen Gesamtbudgets der Kulturhauptstadt. Trotzdem werden sie als Orte des kreativen Schaffens eine wichtige Rolle bei der Durchführung des Programms spielen.

Bewerbungsbuch vereint künstlerische Perspektiven
Das zweite Bewerbungsbuch Nürnbergs um den Titel Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2025 vereint zahlreiche künstlerische Perspektiven und Positionen, weltweit renommierte Menschen und Institutionen aus Kunst und Kultur sind ebenso Teil einer Nürnberger Kulturhauptstadt wie lokale Akteurinnen und Akteure, Künstlerinnen und Künstler, Vereine, Unternehmen und Institutionen. Auf einhundert Seiten und in sieben Kapiteln eröffnet das Buch einen Möglichkeitsraum und Perspektiven für die Stadt, die Region und für Europa. Das von der Design-Agentur DKdL entworfene Designsystem bildet die gestalterische Grundlage des Bewerbungsbuchs (Lead Design: Christopher Biel), wie auch des gesamten Auftritts der Bewerbung. Das Buch wurde handgebunden (Handbuch – Atelier für Papiergestaltung) und nach den Kriterien des EU Ecolabels gedruckt. Die Illustrationen stammen zum Großteil aus der Feder des Illustrators Paul Blotzki, für das fotografische Konzept konnten unter anderem Jürgen Teller, Katharina Sieverding, Khrystyna Jalowa und Mariana Stavnycha sowie David Häuser gewonnen werden.

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Blick in das Bid Book der Stadt Nürnberg Screenshot: Bidbook Nürnberg N2025/https://n2025.eu/

Das zweite Bewerbungsbuch. Foto: Olivia Barth-Jurca / Stadt Nürnberg

Das Team des Bewerbungsbüros Kulturhauptstadt Europas 2025. Foto: Kristina Jalowa