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650 Jahre Stadtbibliothek Nürnberg - das Programm zum Jubiläum

Zum 650-jährigen Jubiläum nimmt die Stadtbibliothek Nürnberg ihre BesucherInnen mit in die Vergangenheit und präsentiert in der Ausstellung „Bücher mit Geschichte. Gesammelte Schätze aus 650 Jahren“ Highlights aus ihren wertvollen Sammlungen.

Zu den vielen Superlativen, mit denen sich Nürnberg schmücken darf, zählt auch die lange Tradition eines öffentlichen Zugangs zu Informationen: Seit 650 Jahren werden von der Stadt Büchersammlungen für eine allgemeine Nutzung angeboten. Die Stadtbibliothek im Bildungscampus Nürnberg zählt damit zu den ältesten öffentlichen Bibliotheken im deutschen Sprachraum. Zeugnis dafür liefert ein Leihschein vom 30. Dezember 1370. Ihr Jubiläum feiert die Stadtbibliothek rund um dieses Datum von Oktober 2020 bis März 2021 mit einer Ausstellung und vielfältigen Veranstaltungen.

Einzigartige Kontinuität und Vorreiterrolle der Stadtbibliothek Nürnberg
Die Stadtbibliothek Nürnberg blickt auf eine bemerkenswert lange Geschichte mit einzigartiger Kontinuität zurück. Das erste Zeugnis für eine öffentliche Bereitstellung von Büchern durch den Rat der Stadt Nürnberg liefert der Leihschein eines Juristen vom 30. Dezember 1370 – kaum eine andere Stadt leistete sich bereits zu dieser Zeit ein solches Angebot. Die damalige Ratsbibliothek war mit Drucken und Handschriften, die in Ketten auf Pulten auslagen, allerdings eine reine Präsenzbibliothek. Diese ging nach Einführung der Reformation 1525 in einer weiteren Gründung des Rats auf: 1538 erhielten zwei Ratsherren den Auftrag zur Standortsuche für die Einrichtung einer „ordentlichen feinen liberei“.

Diese „Bibliotheca publica Norimbergensis“ oder öffentliche Stadtbibliothek war um 1543 im Dominikanerkloster untergebracht. Zum ihrem Kernbestand zählten zunächst Drucke und Handschriften aus den acht im Stadtgebiet gelegenen Klöstern. Ihnen zur Seite gestellt wurden Teile der Ratsbibliothek sowie Neuerwerbungen aller Fächer, vor allem aber aus dem Gebiet der evangelischen Theologie. Im Verlauf der Jahrhunderte kamen dazu Sammlungen von Gelehrten, Patriziern und Bürgern. Lange Zeit sind neben den Büchern Kunstgegenstände, Skelette und wissenschaftliche Geräte gezeigt worden – fast wie in einem Museum. Als bi-funktionale Einrichtung stand die Stadtbibliothek damals bereits allen Gebildeten für die Ausleihe von Büchern oder die Besichtigung der musealen Bestände offen. Nach dem Zweiten Weltkrieg bezog die Stadtbibliothek das wiederaufgebaute Pellerhaus. 1973 wurde diese Einrichtung mit der seit 1911 im Luitpoldhaus untergebrachten Volksbücherei organisatorisch unter einer Leitung zusammengeschlossen; dezentral angegliedert waren Musik-, Stadtteil-, Schul- und Fahrbibliotheken. Mit dem Einzug der historischen Bestände und der Musikbibliothek in das 2012 sanierte Luitpoldhaus wurde die Vereinigung von wissenschaftlicher und öffentlicher Bibliothek auch räumlich vollzogen.

Stadtbibliothek Nürnberg ist Spiegelbild einer offenen, diversen und demokratischen Gesellschaft
Aus der Ratsbibliothek von damals ist im Verlauf von sechs Jahrhunderten mehr als ein Ort der Bücher geworden. Die Stadtbibliothek bietet heute allen einen freien Zugang zu Information, sie will ein Treffpunkt sein, um Begegnung und Austausch zu ermöglichen, Kultur zu erleben oder zu lernen. Sie ist ein Spiegelbild einer offenen, diversen und demokratischen Gesellschaft.

Von Tonies und Videospielen bis Streaming-Diensten
Auch die Medien haben sich gewandelt: Das aktuelle Angebot der Stadtbibliothek reicht vom klassischen Buch in mehreren Sprachen über Noten und Hörbücher bis hin zu Tonies, eMedien, Streaming-Diensten und Wissensdatenbanken. Zugleich bewahrt sie einen Teil des schriftlichen Kulturerbes der Stadt Nürnberg: Unter den über sechs Jahrhunderte gewachsenen historischen Sammlungen befinden sich kostbare Handschriften und seltene Drucke von internationalem Rang oder hoher lokaler Bedeutung. Die Sammlungen sind von der ersten Erwähnung im Jahr 1370 bis in die Gegenwart hinein in engster Verflechtung mit der Stadt Nürnberg und ihrer Geschichte gewachsen. Sie spiegeln Nürnbergs führende Rolle in der Buchproduktion vom Handschriften- und Inkunabelzeitalter bis in die frühen Jahre des industriellen Drucks und in die Gegenwart hinein.

Das Programm zum Jubiläum der Stadtbibliothek
Zu ihrem 650-jährigen Jubiläum nimmt die Stadtbibliothek ihre Besucherinnen und Besucher mit in die Vergangenheit und präsentiert in der Ausstellung „Bücher mit Geschichte. Gesammelte Schätze aus 650 Jahren“ vom 27. November 2020 bis 27. Februar 2021 einige Highlights aus ihren wertvollen, bis auf das 9. Jahrhundert zurückgehenden Sammlungen.

Auch in der Reihe „Herzensstücke“ gibt es bereits ab dem 1. Oktober 2020 an unterschiedlichen Donnerstagen im Lesesaal der Stadtbibliothek Zentrum die Möglichkeit, mehr über besonders kostbare Bücher oder kuriose Stücke der Sammlungen zu erfahren. Wer hingegen seine eigenen Schätze schätzen lassen möchte, kann dies am 9. Januar 2021 in der Stadtbibliothek Zentrum tun. Wolfang Pauritsch, bekannt aus der Sendung „Bares für Rares“, sowie ein Kollege aus dem Leihhaus Nürnberg begutachten die mitgebrachten Objekte und geben eine sachkundige Einschätzung über Wert und Besonderheit.

Weitere zahlreiche Veranstaltungen laden zu großen und kleinen Literaturentdeckungen ein, werfen einen Blick zurück und geben Ausblicke in die Zukunft: In Kooperation mit „Geschichte für Alle e.V.“ werden ab Ende Oktober 2020 Stadtrundgänge durch die Bücherstadt Nürnberg angeboten. Eine literarische Roadshow präsentiert von Oktober 2020 bis März 2021 an unterschiedlichen Orten im Stadtbild Arbeiten von Nürnberger Kreativen, die sich in einem Open Call bewerben konnten, und mit Textfragmenten in Bild, Ton, Video, Performance oder Installation Bezüge zur 650-jährigen Geschichte der Stadtbibliothek herstellen.

Im digitalen Bereich wurde der Gewinner des Grimme Online Awards Michael Sommer, der auf seinem YouTube-Kanal Kurzfassungen der Weltliteratur mithilfe eines Playmobil-Ensembles nachstellt, eingeladen, fränkische Literatur auf diese Weise neu zu inszenieren. Die Videos werden ab Oktober unter www.650jahre-stadtbibliothek.nuernberg.de zu sehen sein.

Vom 5. bis 19. Dezember 2020 können sich Besucherinnen und Besucher in der Stadtbibliothek Zentrum mittels virtueller Realität in Franz Kafkas Welt entführen lassen: Die „VRwandlung“, eine VR-Rauminstallation des Regisseurs Mika Johnson zusammen mit dem Goethe Institut Prag, lässt Besucherinnen und Besucher wie in Kafkas „Die Verwandlung“ als riesenhaftes Insekt in einem originalgetreu rekonstruierten Zimmer zu erwachen. Mithilfe neuer Technologien wurde hier eine einmalige Neuinterpretation einer der bekanntesten Erzählungen des 20. Jahrhunderts geschaffen.

Mit Mika Johnson können Kinder in der Reihe „Was bin ich?“ am 4. Dezember 2020 nicht nur den Beruf eines Regisseurs, sondern mit Angela Faulhaber am 30. Oktober 2020 auch den einer Buchbinderin kennenlernen. Immehreren app2music-Workshops wird Kindern und Jugendlichen gezeigt, mit Musik-Apps umzugehen und so einen Song zum 650-jähirgen Jubiläum zu produzieren. Besonders freut sich die Stadtbibliothek zudem über Glückwunschkarten von Kindern, die in der Kinderbibliothek und in den Stadtteilbibliotheken aufgehängt werden.

Das Highlight zum Abschluss der Feierlichkeiten stellt ein Open-Air Event vor der Villa Leon dar. Für die Neugestaltung einer Fläche am Bücherbus, der Fahrbibliothek, wird im Oktober 2020 ein Wettbewerb ausgeschrieben, dessen Umsetzung am 14. März 2021 mit einem öffentlichen Fest mit Graffiti, Text- und Kunstaktionen, Musik und Kulinarischem in und vor der Villa Leon stattfindet. Die Street Art kann dabei eine Brücke zur Geschichte der Bücherbusse schlagen, denn das erste „bookmobile“ war 1958 ein Geschenk der US-Regierung an die damalige Volksbücherei. Getreu dem Motto: „Wir kommen Ihnen entgegen“, machen die Bücherbusse bis heute Bildung und Wissen niederschwellig für jede Bürgerin und jeden Bürger im Stadtgebiet Nürnbergs zugänglich.

Etliche weitere Veranstaltungen sind gesammelt in der Broschüre „650 Jahre Stadtbibliothek“ sowie online unter www.650-jahre.stadtbibliothek.nuernberg.de zu finden. Alle Veranstaltungen werden stets unter den jeweils gültigen Hygienerichtlinien durchgeführt, aktuelle Informationen dazu können online unter www.stadtbibliothek.nuernberg.de eingesehen werden.

650 Jahre Stadtbibliothek Nürnberg - Das Programm 2020 in der Kurzübersicht:

  • Veranstaltungsreihe „Herzensstücke“ - Donnerstags im Lesesaal / Ab 1. Oktober, 17.30 Uhr
  • Literarische halbe Stunde - Donnerstags im Lesesaal / Ab 8. Oktober, 17.30 Uhr
  • Literatur Primeur – Spezial / Ab 14. Oktober, 19.30 Uhr
  • Nürnberg als Bücherstadt - Eine historische Spurensuche zu Büchern, Bibliotheken und Lesen / Ab 24. Oktober - mehrere Termine
  • Jubiläumsprogramm für Kinder und Jugendliche / Veranstaltungen ab 30. Oktober
  • Ein Film der Medienwerkstatt Franken - Dokumentation über die Stadtbibliothek Nürnberg / Ort und Zeit werden bekannt gegeben
  • Literarische Roadshow: Worte.Leben.Stadtgesellschaft. / Ab Ende Oktober
  • Vortragsreihe - Nürnbergs kluge, mutige und eigenwillige Frauen / Ab 5. November, 19 Uhr
  • Nürnberger Mittagslesungen – Spezial / 11. bis 13. November
  • VRwandlung - Kafka in der virtuellen Realität. Eine Rauminstallation in der Stadtbibliothek / 5. bis 19. Dezember
  • Begutachtungstag - Großes Geld oder Trödelware? Lassen Sie Ihre Schätze schätzen! / 9. Januar 2021, 13 bis 16 Uhr
  • Die Nürnberger Fahrbibliothek – Street Art auf Rädern / Kunstwettbewerb und Open-Air Event

Zeichnung von Albrecht Dürer in einem Brief aus dem Jahr 1506

Blick in die Galerie mit den medizinischen Beständen und dem geöffneten Naturalienschrank im Dominikanerkloster, 1674

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