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Rebecca Trescher

Die Komponistin, Klarinettistin und Bandleaderin Rebecca Trescher ist Künstlerin der Metropolregion Nürnberg.

Das Forum Kultur in der Europäischen Metropolregion Nürnberg nominiert im März 2021 die Komponistin, Jazz-Klarinettistin und Bandleaderin Rebecca Trescher als Künstlerin der Metropolregion Nürnberg. Die Jury des Forum Kultur kürt regelmäßig herausragende Künstlerinnen und Künstler aller Sparten, die in der Metropolregion leben und wirken, und stellt sie der Öffentlichkeit vor.

Nachwuchstalent war gestern
Die 1986 in Tübingen geborene Rebecca Trescher ist in der Metropolregion schon lange keine Unbekannte mehr. 2008 zog sie für das Studium in Jazzklarinette, Komposition und Arrangement an der Hochschule für Musik nach Nürnberg, seitdem lebt und arbeitet die 34-Jährige hier erfolgreich freischaffend als Komponistin, Arrangeurin und Bandleaderin, beweist damit Mut und Selbstbewusstsein sowie ein Händchen für das Selbstmanagement. Seit über zehn Jahren leitet sie verschiedene eigene Ensembles, oft in Crossover-Besetzungen mit „Klassikern“ und „Jazzern“, hat etliche CDs produziert und nutzt jetzt, wo der Kulturbetrieb lahmgelegt ist, die Zeit vor allem zum Schreiben neuer Stücke. Um dennoch das Publikum zu erreichen, war sie zuletzt in einem Streaming-Konzert aus ihrer „Homebase“, der Nürnberger Tafelhalle, mit dem Pianisten und Kompositionskollegen Peter Fulda zu sehen und zu hören.

Mit ihren Ensembles und den eigenen Stücken und Arrangements tritt sie normalerweise nicht nur auf den einschlägigen Konzertbühnen, etwa beim Jazzfestival Burghausen, bei Jazzahead Bremen oder beim Jazzfest Bonn auf, sondern hat bereits etliche Preise und Förderungen gewonnen: So war sie noch während des Studiums 2014 Stipendiatin der Kunststiftung Baden-Württemberg, erhielt im Jahr darauf einen Kulturförderpreis der Stadt Nürnberg, 2017 dann den Bayerischen Kunstförderpreis mit ihrem Ensemble 11. 2019/20 war sie Artist in Residence an der Cité Internationale des Arts in Paris, musste den Aufenthalt dann aber pandemiebedingt vorzeitg abbrechen. Inzwischen ist sie selbst als Jurymitglied tätig, u. a. beim MUC Jazz Wettbewerb und beim Jazzfrühling Kempten.

Immense Produktivität
„Als moderne Komponistin habe ich den Anspruch, in einer für ein Publikum zugänglichen Ästhetik zu schreiben, diese Grenzen verantwortungsvoll zu dehnen und mit stilistischer Raffinesse und Liebe zum Detail spannende Geschichten zu erzählen“, so Trescher über ihr Selbstverständnis als Komponistin. Ihre Alben – SUD (2012), Nucleus (2014), Fields (2015), Floating Food (2017) und die jüngste CD WHERE WE GO (2019) – sind Ausdruck ihrer Vorliebe für große, gemischte Ensembles, die jedoch weit weg vom üblichen Big Band-Sound eine ganz eigene Klangsprache sprechen. Ihr Ensemble 11, das inzwischen als TENTETT formiert, ist eines ihrer Markenzeichen, genauso wie ihre generelle Offenheit, was Besetzungen, Form und Genre betrifft: „Ich versuche, aufmerksam und aufgeschlossen zu sein und neugierig der eigenen Kreativität Freiraum zu geben, ohne selbst zu früh zu kategorisieren.“ So komponierte sie beispielsweise 2017 die Musik zu Sergej Eisensteins Stummfilm Oktober, ein 120-minütiges Auftragswerk für Kammerensemble anlässlich der Nürnberger stummFILMMUSIKTAGE ; 2018/19 stand sie am Pult des Erlanger Siemens-Orchesters und dirigierte vier eigene Werke für Sinfonieorchester und Jazzcombo. Seit 2019 führt sie ihre Nürnberger Konzertreihe unter dem Titel Re:Treat (vormals Every Eight Weeks) in der Tafelhalle weiter, in der sie Musik mit Tanz, Literatur, Videokunst und weiteren Genres verbindet.

Grenzgängerin mit eigener Handschrift
Rebecca Treschers Musik ist im besten Sinne zeitgenössisch, ihre Klangsprache modern und vielschichtig, dabei dennoch warm und farbig. In der Personalunion aus Komponistin und Bandleaderin gelingt ihr die Balance zwischen Entfaltungsmöglichkeiten für ihre Mitmusikerinnen und -musiker und ihren eigenen kompositorischen Ideen, daraus resultieren insbesondere in ihren Großensembles stets erfrischende und gleichzeitig anspruchsvolle musikalische Verflechtungen. Dabei kommt ihr die einzigartige Besetzung ihres TENTETTS mit Saxophonen, Flöten, Klarinetten, Trompete, Harfe, Cello, Klavier, Vibraphon, Bass und Schlagzeug entgegen. Aber auch in ihren kleineren Formationen kommt ihre Lust am Experimentieren zum Tragen, etwa mit ihrem New Shapes Quartett mit Philipp Schiepek (Gitarre), Peter Christoph (Bass) und Jan F. Brill (Schlagzeug) oder im Duo mit Peter Fulda (Piano). Originelle Klangdichtungen an den Grenzen des Jazz kann man auch im Soloprogramm mit Klarinette und Bassklarinette sowie mit ihrem Duopartner, dem Komponisten Giorgos Tabakis (7-saitige Gitarre) erleben. Auf die nächste Live-Saison darf man also in vielerlei Hinsicht gespannt bleiben.

Website: www.rebeccatrescher.com

Prof. Dr. Renate Reitinger, Hochschule für Musik Nürnberg

 

Rebecca Trescher Foto: Cristopher Civitillo

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