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Jasmin Schmidt

ist Künstlerin der Metropolregion Nürnberg im August.

Zwischen Materialgedächtnis und malerischer Ordnung

Mit Jasmin Schmidt zeichnet die Jury des Forums Kultur im August 2026 eine Künstlerin aus, deren Werk den klassischen Begriff des Bildes konsequent erweitert. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Malerei, Objekt und räumlicher Installation. Ausgangspunkt ist stets der Bildträger mit seiner eigenen Beschaffenheit, Herkunft und Geschichte.

Jasmin Schmidt wurde 1981 in Regensburg geboren und lebt heute in Flossenbürg in der Oberpfalz. Zunächst studierte sie an der Universität Bayreuth Kultur und Gesellschaft Afrikas sowie Kunst und Literatur Afrikas. Von 2007 bis 2013 folgte das Studium der Freien Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg bei Professor Thomas Hartmann, das sie als Meisterschülerin abschloss. Von 2016 bis 2019 kehrte sie als Künstlerische Mitarbeiterin an die Nürnberger Akademie zurück.

Bereits 2008 begann Schmidt, die Rückseiten ausrangierter Schulwandkarten als Bildträger zu verwenden. Gebrauchsspuren, Vergilbungen, Beschriftungen und Beschädigungen blieben in den neuen Arbeiten sichtbar. Bis heute interessiert sie sich für Materialien, in denen Zeit und frühere Nutzungen eingeschrieben sind. Neben gefundenen Papieren und Textilien verwendet sie Loden, Leinen und selbst grundierte Stoffe. Sie zerschneidet, vernäht und faltet diese, wäscht Farbe wieder aus oder setzt unterschiedliche Teile zu komplexen Flächen zusammen. Nähte und Kanten werden dabei zu bildnerischen Linien. Die Malerei reagiert auf das Material und führt dessen Ordnungen weiter, bis ein neuer Bildraum mit eigenen Gesetzmäßigkeiten entsteht.

Eine wichtige Rolle spielen Fundstücke, die Schmidt in einem wachsenden Archiv sammelt. Motive, Diagramme, Zahlenfolgen und historische Darstellungen geben Anstöße für neue Arbeiten. Besonders interessieren sie Systeme, die Orientierung versprechen und zugleich störanfällig bleiben. Planung und Intuition greifen ineinander. Kleine Abweichungen, Fehler und unumkehrbare Eingriffe sind wesentliche Bestandteile ihres Arbeitsprozesses.

Seit einigen Jahren arbeitet Schmidt mit der Tuchfabrik Gebrüder Mehler in Tirschenreuth zusammen. Die dort produzierten Lodenstoffe verwendet sie als Bildträger und bearbeitet sie durch Zuschnitt, Naht, Faltung und Malerei. Die Oberpfalz ist damit über das Material unmittelbar in ihren Bildern präsent. Zugleich ist ihre künstlerische Entwicklung eng mit Nürnberg verbunden. Hier studierte und lehrte sie, hier stellt sie seit vielen Jahren aus und wird für ihre Arbeit ausgezeichnet Zu ihren Nürnberger Einzelausstellungen gehören u.a. ‚Mikado‘ im Kunstverein Kohlenhof, ‚plot painting‘ in der Galerie Sturm, ‚quality times‘ und ‚immer der gleiche Raum‘ in der Oechsner Galerie und zuletzt ‚Jardin‘ im Galeriehaus Nord.

Schmidt erhielt unter anderem den Kulturpreis Bayern, den Bayerischen Kunstförderpreis, den Kunstpreis der Soroptimist International Clubs der Metropolregion Nürnberg und 2021 den Kulturpreis der Stadt Nürnberg. Beim Kunstpreis der Nürnberger Nachrichten wurde sie 2024 mit dem dritten Preis sowie 2025 mit einem Anerkennungs- und dem Publikumspreis ausgezeichnet. Im selben Jahr erhielt sie den Wolfram-von-Eschenbach-Förderpreis. 2026 führt sie das Internationale Stipendium des Oberpfälzer Künstlerhauses in das Stadtatelier in Salzburg.

Jasmin Schmidt verbindet eine präzise Kenntnis der Malerei mit großer Offenheit gegenüber dem Material. Ihre Bilder bewahren Spuren, legen Ordnungen an und bringen diese wieder aus dem Takt. So entstehen eigenständige Bildorte, die sich einer schnellen Lesbarkeit entziehen und gerade dadurch lange im Gedächtnis bleiben.

Text: Sabine Guhl, Leiterin des Amts für Kultur, Stadtgeschichte und Tourismus der Stadt Weiden i.d.OPf.

 

Mehr Informationen zur Künstlerin: https://jasminschmidt.com

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