Anna Steward
ist Künstlerin der Metropolregion Nürnberg im Mai
Im Dialog zwischen Naturwissenschaft und Kunst
Mit Anna Steward wird im Mai 2026 eine Künstlerin von der Jury des Forums Kultur ausgezeichnet, deren innovatives Werk von einer konsequenten Suche nach grundlegenden Fragen geprägt ist. Aufgewachsen in einem Pfarrhaus in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Friedhof, wurde sie früh mit existenziellen Themen konfrontiert, die ihr inspirierendes künstlerisches Schaffen bis heute durchziehen.
Ihren ersten Zugang zur Kunst fand Steward auf der Bühne. Nach dem Abitur absolvierte sie eine Schauspielausbildung und setzte sich intensiv mit Formen des Theaters auseinander. Besonders prägend war für sie die Arbeit des Regisseurs Peter Brook, dessen experimenteller Inszenierungsstil – insbesondere die Hamlet-Adaption „Qui est là“ – zu einem Schlüsselerlebnis wurde. Die Auseinandersetzung mit Raum, Zeit und Körper führte sie weg von der klassischen Illusion des Theaters hin zu einer performativen Praxis, die Grenzen hinterfragt und auflöst.
Ein Wendepunkt in ihrem Schaffen war das 2014 initiierte Projekt „Geldpilgerreise“. In der Rolle einer Kunstfigur reiste Steward acht Wochen lang durch Europa und führte Gespräche mit Experten sowie Passanten. Im Zentrum stand die kritische Auseinandersetzung mit dem zentralen Glauben an das Geld. Das gesellschaftlich relevante Projekt wurde filmisch von einem unabhängigen Filmemacher dokumentiert und ist in der Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung verfügbar.
Im Anschluss verlagerte Steward ihren Schwerpunkt zunehmend in die bildende Kunst. Sie studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bei den Professoren Otmar Hörl, Michael Sailsdorfer und Jochen Flinzer. Während dieser Zeit entwickelte sie eine künstlerische Praxis, die Forschung, Experiment und Materialprozess eng miteinander verknüpft.
Ein entscheidender Impuls kam während eines Aufenthalts in der geothermalen Landschaft der Azoren. Dort entdeckte Steward ihre Faszination für extremophile Mikroorganismen – Lebensformen, die unter für Menschen extremen Bedingungen existieren, etwa in heißen Quellen oder in der Tiefsee. Diese Begegnung führte sie zuerst zur Mikrobiologie und schließlich zur Astrobiologie, einem interdisziplinären Forschungsfeld an der Schnittstelle von Astronomie, Mikrobiologie und Geologie. Seitdem beschäftigt sie sich intensiv mit der Frage nach den Bedingungen von Leben – auf der Erde und darüber hinaus.
Im Rahmen eines einjährigen Stipendiums des Bayerischen Ministeriums für Kunst und Wissenschaft erwarb sie Erfahrung im wissenschaftlichen Arbeiten und in der Laborpraxis am Archaeenzentrum des Lehrstuhls für Mikrobiologie der Universität Regensburg. Heute arbeitet sie eng mit Forschenden unterschiedlicher Disziplinen zusammen und ist Projektteamleiterin des AstroBioArt Lab (ASTRAL), der Projektgruppe für Kunst und Astrobiologie des European Astrobiology Institute (EAI)
Ihre inspirierenden künstlerischen Arbeiten basieren auf wissenschaftlicher Erkenntnis und Forschung, lassen jedoch bewusst Raum für Spekulation und Imagination. Ihr Interesse gilt den Übergängen – das, was zwischen den Dingen, zwischen den Disziplinen, zwischen Wissen und Nicht-Wissen liegt.
Anna Steward lebt und arbeitet in Fürth. In der Metropolregion Nürnberg ist sie eng vernetzt und immer wieder in Einzel- und Gruppenausstellungen, sowohl regional als auch international, z.B. bei der France Design Week in der ESAD Gallery Orléans, vertreten. Zuletzt konnte man in Fürth im kultur.lokal die Ausstellung „Etched“ erleben. Hier zeigte sie mikrobiologische Bildwelten auf Carbonpapier und Schiefer, die sie mittels Lasergravur eingeschrieben hatte: Leben und Geologie bedingen und formen sich gegenseitig. Ihre transdisziplinäre Praxis erlaubt es Steward, verschiedenste, oftmals gegensätzlich wirkende Ebenen zu erforschen: makroskopisch und mikroskopisch, Verwandtschaft und Andersartigkeit, Lebendig und Nicht-Lebendig.
Im Fokus ihres einzigartigen künstlerischen Schaffens steht die Erkenntnis, die entsteht, wenn wir nichts isoliert betrachten, sondern alles in Beziehung setzen.
Mehr Informationen zur Künstlerin: www.anna-steward.com
Text: Gerti Köhn, M.A. / Leiterin des Kulturamtes Fürth
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ChiralityCircus, Foto: Anna Steward

Etched, Foto: Anna Steward

