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Wirtschaft & Infrastruktur

Fairer Handel: Unterstützungsaktion für Näherinnen in Bangladesch

Das Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg ruft zu einer Unterstützungsaktion für Näherinnen und Näher in Bangladesch auf.

Im Heimatland des Menschenrechtspreisträgers 2015, Amirul Haque Amin, sind viele Textil-Beschäftigte wegen coronabedingter Auftragsstornierungen großer Kleiderproduzenten und dadurch erfolgter Entlassungen in ihrer Existenz bedroht. Das Menschenrechtsbüro bittet um Spenden als Zeichen humanitärer Solidarität mit Menschen, die in einer kaum vorstellbaren Dimension von der Pandemie betroffen sind.
„Beinahe täglich erreichen uns Hilferufe Amirul Haque Amins. Die Näherinnen und Näher haben weder die Mittel, sich ausreichend zu ernähren und ihre Miete zu bezahlen, noch zu ihren Familien aufs Land zurückzukehren“, erzählt Martina Mittenhuber, Leiterin des Menschenrechtsbüros der Stadt Nürnberg, die in engem Kontakt mit dem Menschenrechtspreisträger steht. Amin hatte 2015 den Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreis für seinen Kampf zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Arbeiterinnen und Arbeiter in der exportorientierten Bekleidungsindustrie in Bangladesch erhalten.

Dem Land, so befürchtet Amin, drohe eine humanitäre Katastrophe. Er will zusammen mit seiner Gewerkschaft NGWF – Nationale Gewerkschaft der Textilarbeiter – ein Ernährungssofortprogramm für zunächst rund 5 000 besonders von Verelendung bedrohten Einzelpersonen und Familien starten, um diese mit dem Überlebensnotwendigen zu versorgen. Amirul Haque Amin garantiert laut städtischen Menschenrechtsbüro, dass jeder gespendete Cent den Hungernden zukommen wird.

Spenden können gerichtet werden an:
Stadt Nürnberg / Menschenrechtsbüro, IBAN Stadt Nürnberg: DE50 7605 0101 0001 0109 41 (unter Angabe des Verwendungszwecks Debitor 2670001018). Zu beachten ist, dass die Spende steuerlich nicht absetzbar ist, weil sie in ein Land außerhalb Europas fließt.

Bangladesch ist die Nähstube der Welt: Nach China exportiert kein anderes Land so viele Textilien wie das 160-Millionen-Einwohner-Land in Südostasien. Im vergangenen Jahr lieferte es Kleidung im Wert von rund 35 Milliarden Euro an Einzelhändler wie H&M, Inditex und Walmart. Bekleidung macht rund 80 Prozent der Exporte des Landes aus, die Textilindustrie erwirtschaftet etwa 16 Prozent des Bruttoinlandprodukts und in den rund 4.000 Fabriken arbeiten etwa vier Millionen Menschen. Das verheerende Unglück von Rana Plaza im Jahr 2013 hatte die katastrophalen Arbeitsbedingungen in den Textilfabriken des Landes auf dramatische Weise öffentlich gemacht und zu sichtbaren Verbesserungen geführt: So wurden der Arbeitsschutz deutlich verbessert und der Mindestlohn spürbar angehoben.

Die Corona-Krise scheint nun vieles wieder zunichte zu machen:
Bangladesch geriet zu Jahresbeginn in den Sog der Pandemie, als China große Teile seiner Industrien stilllegte und der Nachschub an Garnen und Stoffen ausblieb. Die ersten Arbeiterinnen und Arbeiter wurden im Februar entlassen. Dann stornierten die großen europäischen und amerikanischen Kleidermarken wegen des Shutdowns ihre Aufträge. Nach Angaben des Verbands der Textilfabriken und -exporteure haben die internationalen Firmen Aufträge in Höhe von 3,11 Milliarden Dollar storniert. Die Regierung versuchte zwar, ihre wichtigste Exportbranche am Leben zu halten und nahm bei dem von den Behörden bis zum 11. April verlängerten Lockdown den Textilsektor ausdrücklich aus.

Dennoch verloren nach Angaben der Clean Clothes Campaign rund 47 Prozent der Näherinnen und Näher ihren Job und sind seither existenziell bedroht. Staatliche Soforthilfe und Arbeitslosengelder sind bei weitem nicht existenzsichernd. Rücklagen haben die Allermeisten nicht, sie leben sowieso von der Hand in den Mund. Einige wenige Auftraggeber, darunter H&M oder Zara, gaben auf internationalen Druck hin das Versprechen ab, bereits getätigte Aufträge nicht zu stornieren. Andere bedeutende Konzerne machten bis heute dazu keine verbindliche Zusage.

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