Zum Hauptinhalt springen
News

Aus Automotive-Kompetenz entsteht neue Wertschöpfung in der Metropolregion Nürnberg

Bei der Zukunftswerkstatt Automotive 2026 zeigte die Europäische Metropolregion Nürnberg, wie industrielle Stärke in die Zukunftsmärkte von morgen übersetzt wird. Rund 250 Teilnehmende informierten sich über konkrete Ansätze für Diversifizierung, Technologietransfer und Standortentwicklung in der Region.

Die Automobilindustrie in Deutschland befindet sich im tiefgreifenden Wandel. Neue Technologien, veränderte Märkte und steigender internationaler Wettbewerb stellen die Zulieferindustrie vor die Herausforderung, ihre Kompetenzen in neue Märkte und Wertschöpfung zu übersetzen. Kaum eine Region spürt diese Veränderung so unmittelbar wie die Metropolregion Nürnberg. Mit rund 500 Zulieferunternehmen und 100.000 Beschäftigten zählt sie zu den bedeutendsten Automotive-Standorten Deutschlands. Bei der Zukunftswerkstatt Automotive 2026 der Europäischen Metropolregion in Ansbach diskutierten rund 250 Teilnehmende aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung die Leitfrage: „Wie entstehen aus heutiger Industriekompetenz die Zulieferer von morgen – innovativ, digital und nachhaltig?“

Industrielle Stärke als Ausgangspunkt für neue Märkte

Die Zulieferindustrie verfügt über Kompetenzen in den Bereichen Rohstoffe, Werkstoffe, Entwicklung, Produktion und Automatisierung, die weit über klassische Automotive-Anwendungen hinaus einsetzbar sind.

„In den Unternehmen der Region steckt über Jahrzehnte aufgebautes industrielles Know-how. Entscheidend ist jetzt, diese Stärke auch für neue Produkte und Märkte zu nutzen. Genau dafür bringen wir mit der Zukunftswerkstatt Unternehmen, Forschung und Beschäftigte zusammen“, sagt Dr. Thomas Koch, Geschäftsführer der Europäischen Metropolregion Nürnberg.

Wie weit dieses Potenzial über angestammte Märkte hinausreichen kann, zeigte auch die Diskussion über „Wertschöpfungspotenziale Dual Use in der Metropolregion Nürnberg“. Grundlage bildete eine aktuelle Analyse der Prognos AG: In der Metropolregion entfallen bereits knapp 200.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und eine Bruttowertschöpfung von 23,2 Milliarden Euro auf Branchen, die Potenziale für die Sicherheitsökonomie aufweisen. Besonders relevant sind dabei Maschinenbau, Informations- und Kommunikationstechnologie, Elektronik und Optik, Fahrzeugbau sowie Gummi- und Kunststoffwaren.

Markus Mahle, Projektleiter bei Prognos, diskutierte die Ergebnisse mit Klaus Ludwig von der S-Tech Defense GmbH des Schaeffler-Konzerns sowie Christopher May, CEO der FAU-Ausgründung Nouma Autonomy GmbH. Dabei traf die Analyse der regionalen Wirtschaftsstruktur auf die Perspektiven eines etablierten Industrieunternehmens sowie eines jungen Technologieunternehmens. Die Diskussion verband die Analyse von Prognos mit den Perspektiven aus Industrie und Technologieentwicklung und machte Dual Use als konkretes Diversifizierungsfeld für die Region greifbar.

„Die Metropolregion Nürnberg bringt für Dual-Use-Güter bereits eine starke industrielle und technologische Basis mit. Gleichzeitig zeigen unsere Analysen, dass gerade in wichtigen Zukunftsfeldern wie der Informations- und Kommunikationstechnik noch zusätzliches Wachstumspotenzial besteht. Darin liegt eine große Chance für die Region, vorhandene Kompetenzen gezielt mit neuen Anwendungen und Märkten zu verbinden und so zusätzliche Wertschöpfung in der Metropolregion zu erschließen“, sagt Markus Mahle, Projektleiter bei der Prognos AG.

Automotive-Know-how findet Anwendung in Zukunftsmärkten

In sechs Fachsessions erhielten die Teilnehmenden zudem Einblicke in konkrete Möglichkeiten zur Diversifizierung und technologischen Weiterentwicklung. Vorgestellt wurden unter anderem neue innovative Anwendungen für Automotive-Know-how in der medizinischen Robotik, der Leistungselektronik und Halbleitertechnologien sowie neue Ansätze für energieeffiziente Produktionssysteme.

Die Beispiele verdeutlichten, dass viele der Kompetenzen, die heute in der Automobilindustrie genutzt werden, künftig auch in Branchen wie Medizintechnik, Robotik, Energieinfrastruktur, digitalen Industriesystemen sowie Sicherheit und Verteidigung gefragt sein werden.

Zukunft von Industriestandorten gemeinsam gestalten

Wie unmittelbar der Wandel Beschäftigung und Standorte betrifft, zeigt der Nürnberger Kolbenhersteller Federal-Mogul, ein Unternehmen des US-amerikanischen Automobilzulieferers Tenneco. Dort standen zeitweise mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze zur Disposition.

„Wir wollen den Wandel nicht nur erleben, sondern aktiv mitgestalten. Dazu gehört das Entgegenkommen der Belegschaft ebenso wie verlässliche Investitionen, neue Produkte und eine klare Beschäftigungsperspektive“, sagt Kilian Röck, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender der Federal-Mogul Nürnberg GmbH.

Das Ergebnis ist eine gemeinsame Zukunftsvereinbarung von Unternehmensleitung, Betriebsrat und IG Metall. Sie sieht Beschäftigungssicherung bis 2030, neue Produkte im Großkolben- und Industriegeschäft sowie Investitionen bis zu 18 Millionen Euro bis Ende 2030 vor.

Vernetzung macht aus Know-how konkrete wirtschaftliche Anwendung

Welche Rolle Innovationsökosysteme dabei spielen, zeigte zum Abschluss Prof. Dr. Gunther Friedl, Geschäftsführer der Dieter Schwarz Stiftung am Beispiel des Heilbronners Innovations- und KI-Ökosystems, einem der sichtbarsten deutschen Beispiele dafür, wie sich eine Region durch das Zusammenspiel von Spitzenforschung, Unternehmen, Start-ups und gezieltem Technologietransfer neue Zukunftsfelder erschließen kann.

„Was wir in Heilbronn erleben, ist, dass Innovation besonders dort an Tempo gewinnt, wo Forschung und Unternehmen nicht nur nebeneinanderstehen, sondern dauerhaft zusammenarbeiten und neue Technologien früh in reale Anwendungen bringen. Die Metropolregion Nürnberg bringt mit ihrer starken industriellen Basis und ihrer Forschungslandschaft dafür sehr gute Voraussetzungen mit. Die Zukunftswerkstatt setzt ein wichtiges Signal, diese Stärken noch enger zu verbinden und daraus neue Wertschöpfung entstehen zu lassen“, so Friedl.

Schon lange verfügt auch die Metropolregion Nürnberg über ein starkes innovatives Ökosystem: Mit der FAU Erlangen-Nürnberg, den Forschungseinrichtungen der Frauenhofer-Institute, dem Kunststoffcampus Bayern und dem Bayerischen Laserzentrum bringen renommierte Forschungseinrichtungen ihre Expertise ein, die durch die regionale Wirtschaftsförderung, den IHKs und HWK, sowie der EMN selbst Unternehmen, u.a. im Medical Valley zugänglich gemacht werden.

Weitere Informationen finden Sie in der Pressemappe der Zukunftswerkstatt Automotive 2026, die Sie über den folgenden Link aufrufen können:

Digitale Pressemappe

Standort sichern – Transformation gemeinsam gestalten: Helmut Albert, Geschäftsführer Federal-Mogul Nürnberg GmbH, Kilian Röck, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Federal-Mogul Nürnberg GmbH, und Roland Wehrer, 2. Bevollmächtigter IG Metall Nürnberg, diskutieren über Wettbewerbsfähigkeit, Beschäftigung und die Zukunft des Industriestandorts. Moderation: Wolfgang Anlauft, Geschäftsführer ffw GmbH, und Thomas Habenicht, ffw GmbH (Foto: Zeynel Dönmez / Kulturidee)

Gemeinsamer Auftakt für die Zukunftswerkstatt Automotive 2026: Dr. Thomas Koch, Geschäftsführer der Europäischen Metropolregion Nürnberg, Marco Meier, Landrat des Landkreises Ansbach, und Prof. Dr. Klaus L. Wübbenhorst, Wirtschaftsvorsitzender der Europäischen Metropolregion Nürnberg (Foto: Zeynel Dönmez / Kulturidee)

Dual Use als Zukunftsfeld für die Region: Bei der Zukunftswerkstatt Automotive 2026 diskutierten Markus Mahle, Projektleiter Prognos AG, Christopher May, CEO Nouma Autonomy GmbH Klaus Ludwig, Advanced Innovation, STech Defence GmbH / Schaeffler (v.l.n.r.) über die Wertschöpfungspotenziale von Dual Use in der Metropolregion Nürnberg (Foto: Zeynel Dönmez / Kulturidee)

Lade Daten Loading...